Wahrnehmung

Was ist  Wahrnehmung? Und was hat die Wahrnehmung mit dem Schießen zu tun?

Wahrnehmung beschreibt den Kontakt zwischen unserem Gehirn und der Aussenwelt. Alles was wir durch die Arbeit unserer Sinnesorgane sehen, hören, riechen, fühlen und schmecken wird in unserem Gehirn in ein Bild geformt und verarbeitet. Dieses Bild nennen wir dann Wirklichkeit. Alles Wissen von dieser Wirklichkeit ist den Weg der sinnlichen Wahrnehmung gegangen. Diese Ansicht ist ebenso verbreitet wie falsch. Falsch? Warum?

Vorurteil 1: Die Wahrnehmung liefert ein objektives Bild von der Außenwelt.

Was eine Person wahrnimmt, hängt weitgehend vom Stand des Wissens dieser Person und ihrer Erfahrung ab. Mit zunehmender Erfahrung steigt der Informationsgehalt, den der Einzelne der Umwelt entnehmen kann. Wer viel weiß, wird deshalb mehr erkennen.

Beispiel: Schiesssportanfänger sehen zwar gleichermaßen die Bewegung des Grases und die Helligkeitsvariationen auf der Scheibe, sind sich aber dem Risiko dieser Signale noch nicht bewusst. Es fehlt die Information und erst wenn Informationen über die Wirkung dieser Bedingungen vorhanden sind und entsprechende Abwehrstrategien trainiert wurden, kann das Schießen bei Sonne und Wind bestanden werden. Bei genauerer Betrachtung werden eine Vielzahl von weiteren Faktoren offenkundig. Temperatur, Sauerstoffkonzentration und Feuchtigkeit zum Beispiel, usw. Und um diese leistungsmindernden Faktoren zu erkennen bedarf es eines Vorwissens und geeignete Strategien, um sie zu entschärfen.

Vorurteil 2: Die Wahrnehmung innerhalb einer Situation bleibt weitgehend gleich.

Sehen wir immer das Gleiche, sobald ein gewisser Wissensstand erreicht ist? Nein. Es zeigt sich, das viele Faktoren in einer Situation die Wahrnehmung steuern und einschränken. Z.B. Ermüdung und Gefühle

Mit der Ermüdung nimmt die Genauigkeit der eingehenden Signale ab und ihre Interpretation findet mit geringerer Sicherheit statt. Beispiel Sehen: In Untersuchungen wurde festgestellt, dass die Genauigkeit des Zielens mit der Ermüdung des Auges korreliert. Zum einen verschlechterte sich nach 3-5 Sekunden die Zielgenauigkeit zunehmend - zum anderen wurde diese Leistungseinbuße nicht wahrgenommen. Der Effekt ist deshalb äusserst kritisch, weil es zeigt, dass man nicht dazu neigt, die Qualität der Augen in Zweifel zu ziehen, solange sie subjektiv ein klares Bild liefern. Es sollten also Wahrnehmungen nicht blind vertraut werden, sondern man muss darauf gefasst sein, Täuschungen zu unterliegen. Und man sollte derartigen Täuschungen vorbeugen, soweit ihre Ursachen erkannt sind.

Auch Gefühlszustände neigen dazu, bestimmte Abweichungen hervorzurufen. "Wut macht blind" und "Es scheint als hätten sich alle bösen Mächte gegen mich verschworen, ich kann machen, was ich will, es fehlt immer eine Haaresbreite zur Zehn". Wissenschaftliche Untersuchungen haben belegt, dass der mit dieser Gefühlsänderung beschleunigte Herzschlag die Wahrnehmung in Mitleidenschaft zieht. Es tritt eine Einengung der Wahrnehmung ein, der sogenannte Tunnelblick. Weniger Informationen werden aufgenommen, wahrgenommen und verarbeitet. Der Schütze wird also wichtige Informationen übersehen und Fehler sind die Folge. Ideal wäre es also Gefühle zu vermeiden. Leichter gesagt als getan.

Im Wettkampf bieten sich einige Strategien an, die die Beherrschung aufkommender Gefühle vereinfachen.

 - Genaue gedankliche Vorbereitung auf die Wettkampfsituation

 - Pausen begünstigen das Abklingen aufgeschäumter Gefühle

 

Fazit:

Die Bedeutung der Wahrnehmung ist nicht jedem Schützen bewusst

Wir vertrauen unseren Sinnesorganen blind und rechnen nicht mit Störungen

Was wir wahrnehmen, hängt von unserem Wissen ab

Ermüdung und Wut beeinflussen die Wahrnehmung