Psychoregulation

Die Psychoregulation versucht alle psychischen Faktoren, die eine sportliche Handlung beeinflussen, so zu aktivieren, dass sie zu einem optimalen Ergebnis führen. Ziel ist es, die körperlichen Fähigkeiten im Verlauf einer sportlichen Handlung bestmöglich und optimal zu verwirklichen. Ein Beispiel: Ein Finale schiessen. Wer behauptet, dass ein Finalschiessen dieselben Reaktionen, Emotionen hervorruft wie ein "normaler" Wettkampf, der kann hier aufhören zu lesen. Er hat das Thema verinnerlicht und kennt die Möglichkeiten der Regulation. Die Anderen lesen weiter.

 
Welche Problembereiche treten auf und welche Maßnahmen und Methoden stehen zur Verfügung? --> PDF (Link folgt)
 
Antriebsregulation
 
Nur wer motiviert ist, handelt zielgerichtet im Sport. Der Antrieb entspringt den vorhandenen Bedürfnissen des Sportlers/der Sportlerin, etwas zu erreichen oder zu vermeiden.
Selbstkompetente Sportler sollten möglichst unabhängig von äußeren Bedingungen werden. Die Motivation entsteht aus der Bereitschaft, das Beste zu geben, sich selbst zu entdecken und in der Leistung zu verwirklichen. Durch Selbstmotivation vollziehen Sportler/innen einen kreativen Akt, entdecken ihre Stärken, entfalten ihre Fähigkeiten und finden im Erlebnis der Leistung die belohnende Befriedigung.
Motivationsprogramme und Motivationstechniken verändern den Person-Umwelt-Bezug, greifen vermittelnd in die Motiv-Ziel-Relation ein und lenken die psychische Energie durch neue Sinngebungen und Bedeutungsveränderungen. (vgl. Baumann) 
 
Emotionale Regulation
 
Tiefe, Dauer und Eigenart emotionaler Prozesse spielen bei sportlichen Leistungen eine entscheidende Rolle, da ihre Steuerung von mehreren inneren und äußeren Faktoren beeinflusst wird. Psychoregulative Maßnahmen müssen die individuelle Eigenart der emotionalen Reaktionen berücksichtigen und diese im Sinne der Bewusstmachung, der Sensibilisierung, der Meidung, der Stabilisierung oder der Kontrolle lenken. Eine Diagnose der individuellen Reaktionen in spezifischen Belastungssituationen und ihrer speziellen Ausprägungsart stellt die Voraussetzung für die Auswahl der geplanten Maßnahmen dar. 
 
Intellektuelle Regulation
 
"Intellektuelle oder kognitive Fähigkeiten stellen geistige Mittel dar, mit denen im Sport versucht wird, Ziele zu erreichen. Während Bedürfnisse und Motive das Handeln auslösen, psychisches Steuerungsvermögen dessen Verlauf bestimmen, beeinflusst die Qualität der geistigen Fähigkeiten die Art und Auswahl der Ziele sowie Einsatz der Mittel und Methoden. Wahrnehmungsqualitäten, Beobachtungsfähigkeiten, Gedächtnisleistungen, Wissen und Denken bestimmen in vielfacher Hinsicht die sportliche Leistungsfähigkeit. Intellektuelle Fähigkeiten können in zweifacher Hinsicht das Handeln beeinflussen:

- Handlungsantriebe bedürfen des Einsatzes geistiger Fähigkeiten, um das Erreichen angemessener Ziele zu gewährleisten. Sportler, die schneller wahrnehmen, Situationen richtig erkennen, optimale Lösungen auswählen oder die besten taktischen Pläne entwerfen, werden auch höhere Leistungen erbringen. In diesem Sinne besitzen intellektuelle Fähigkeiten funktionalen, also dienenden, Charakter.

- Nur der Mensch kann sich selbst als Gegenstand bewusster Reflexion erleben. Er ist in der Lage, seine Wahrnehmungen oder Denkabläufe bewusst zu verändern und auf bestimmte Sachverhalte zu lenken. In diesem Sinn besitzen intellektuelle Fähigkeiten handlungssteuernden Charakter. Die bewusste Gedankenlenkung verändert unsere Erlebnisqualitäten, beeinflusst emotionale Erregungszustände und verändert das intellektuelle Niveau der Leistungsvoraussetzung. "Wer nicht weiß, was er tut, kann nicht tun, was er tun will!"
Die Lenkung bewussten Denkens stellt ein wesentliches Ziel der Psychoregulation dar." (Baumann) 
 

Energieregulation

"Es steht außer Zweifel, dass körperliche Energie eine Voraussetzung für sportliche Höchstleistungen darstellt. Sie kann durch Training und Ernährung geschaffen und reguliert werden.
Doch wie steht es mit der psychischen Energie? "Voller Energie" zu sein, bedeutet nicht nur, körperlich fit zu sein, sondern auch das Gefühl zu haben, Bäume ausreißen zu können". Es gibt aber auch Situationen, in denen sich am körperlichen Fitnesszustand nichts geändert hat. Trotzdem fühlt sich der Sportler schlapp und ohne Energie". Er kann sich nicht "aufraffen", trotz guter körperlicher Verfassung findet er nicht zu seiner normalen Leistungsfähigkeit.
Für Sportler und Trainer ist die Aufbereitung und Kontrolle der psychischen Energie von gleicher Bedeutung wie die Schaffung der körperlichen Energie. Fehlen psychische Energiereserven, können auch die körperlichen Fähigkeiten nicht voll ausgenutzt werden. Nervosität, Erregung, länger andauerndes ängstliches Grübeln oder permanente Spannungsgefühle verbrauchen wertvolle Energie, die dem Sportler dann im Wettkampf fehlt.
Die Regulation der psychischen Energie, ihre Aufladung, ihre Speicherung, ihr Verbrauch und ihre Dosierung stellen deshalb weitere Ziele psychoregulativer Verfahren dar."